40.000 km …

… liegen jetzt hinter mir !

40.000 km nur in Nordamerika. Ganz Südamerika liegt noch vor mir. Ist das zu schaffen ? Werden sehen …

Wenn man die Monate abzieht die ich in Deutschland war dann bin ich jetzt 7 ganze Monate unterwegs. Also auch Zeit für eine Zwischenbilanz.

Die Eindrücke und Erlebnisse sind derart vielfältig , wo soll man anfangen ? Sieben Monate, das klingt lang , ist es vielleicht auch. Aber verglichen mit all den Eindrücken ist es wahnsinnig kurz und die Zeit ist rasend schnell vergangen. Ich habe je schon einmal zum Thema „Zeit“ geschrieben. Der Konflikt ist weiterhin vorhanden: langsam und intensiv oder etwas schnelle und dafür das „Ziel“ erreichen. Also das geographische Ziel: Feuerland. Es gilt weiterhin , der Weg ist das Ziel. Das ganze ist ein Roadtrip. Also ist Zeit „on the road“ kalkuliert. Ich habe andere „Overlander“ getroffen die haben einen nach hinten offenen Zeitplan, waren teilweise 2 Jahre und länger unterwegs. Diese Freiheit habe ich nicht. Es bleibt also immer ein Kompromiss zwischen Intensität vor Ort und Reisefortschritt. ALLES kann man unmöglich machen, sehen, erleben – dazu benötigt man ein unbegrenztes Zeitkontingent. Alleine in Alaska kann man problemlos 3-4 Monate und mehr verbringen. Das gilt dann für alle weiteren Gegenden in gleicher Weise.

In den vergangenen Monaten habe ich dennoch einen sehr intensiven Eindruck der bereisten Gebiete bekommen. Insbesondere von der Dimension und Größe was sich ja auch in den 40.000 gefahrenen Kilometern manifestiert. Dabei sind die meisten der bisher gefahrenen Kilometer außerhalb von Ballungszentren in weitgehend menschenleeren und naturbelassenen Gebieten dieses Kontinents. Unvorstellbar in Europa. Die Natur ist hier übermächtig , eindrucksvoll, atemraubend schön. Die Flora und Fauna ist reichhaltig und allgegenwärtig . So ist es ganz „normal“ Bären, Elche, Adler, Karibou, Wölfe, Stachelschweine, Widder und viele mehr zu sehen und ihnen beim Wandern oder auf der Straße zu begegnen. Man muß sich darauf einstellen wen man deren Lebensraum betritt – so ist zB auf dem campground im Yosemite Nationalpark vorgeschrieben alle Lebensmittel in einem an jedem Platz aufgestellten „bearproof“ Container zu verstauen. Das Auto ist nicht sicher, die Bären können die Autos „knacken“.

Im Gegensatz zu den meisten Gegenden in Europa – Stichwort: „Problembär“ – hat man hier aber gelernt den Lebensraum der Tiere zu respektieren und entsprechend damit umzugehen. Dies gilt zumindest überwiegend und auch bei aller Kritik an gewissen Fehlentwicklungen aktueller Politik.

Alaska – mein Sehnsuchtsziel seit meiner Kindheit. Dort erstmals mit der Fähre des Alaska Marine Highway anzulegen war sehr ergreifend. Die Dimension ist kaum vorstellbar. Mit dem Auto und in der gegebenen Zeit ist nur ein Bruchteil zu erreichen. Das Flugzeug ist hier das geeignete Verkehrsmittel. Viele Orte sind nur aus der Luft oder per Schiff zu erreichen. So ist zB die Hauptstadt Juneau nur per Schiff zu erreichen. 6 Wochen reichen aus um Geschmack am „Ich komme wieder“ zu machen. Ich möchte gerne im Winter einmal hier sein und das Iditarod miterleben und auch die „dunkle Zeit“ einmal zu erleben . Dalton Highway – Arctic Circle – Denali National Park – Katmai National Park mit dem Wasserflugzeug erreicht – Valley of 10.000 smokes – Kenai Fjords National Park – Wale, Seeotter, Adler, Lunde … – Harding Icefield – ein Highlight am anderen …!

Die Menschen leben hier überwiegend noch sehr ursprünglich und „self-sufficient“. Heidi arbeitet als Ranger in Coldfoot und ist in Wiseman, einem „Dorf“ , eher einer Siedlung mit 16 Einwohnern geboren und lebt dort mit Mann und 2 Kindern. Sie erzählt im Visitor Center wie so ein Jahr in Alaska verläuft. Der kurze Sommer – April bis September – dienst insbesondere der Vorbereitung auf den Winter. Jagen , Fallen stellen und Fischen für den eigenen Bedarf ist hier selbstverständlich . Der nächste Supermarkt ist 300 km entfernt auf einer „Straße“ die dafür etwa 5-6 Stunden Fahrzeit abverlangt. Die Zeit der Mitternachtssonne konnten wir bereits genießen. Man gewöhnt sich sehr schnell daran daß der Tag quasi nie endet und man sich. Wundert daß es bereits 22:00 Uhr ist obgleich noch taghell ist.

Kanada – Skilaufen im Banff Nationalpark und in Whistler. Anders als bei uns sind die Pisten hier nur ausnahmsweise präpariert. 80 % der Pisten sind naturbelassen. Das ist cool aber auch etwas gewöhnungsbedürftig, dann aber mit viel Spaß verbunden. Paddeln auf dem Yukon – leider nur ein paar Stunden – ist eine eigene Reise wert. Kanada und Alaska vom Yukon aus zu erleben sicher eine Idee die mir gefällt. Oder das Yukon River Quest – ein Kanu „Rennen“ von Whitehorse nach Dawson. Sehr cool !

In diesem abgelegenen Teil der Welt trifft man interessante Leute. Martin aus der Schweiz betreibt einen schönen Campingplatz etwas außerhalb von Whitehorse. Diesen möchte er verkaufen, möchte „auch mal Urlaub machen“ … ich habe kurz darüber nachgedacht ob das eine berufliche Alternative wäre … Eine Menge andere „Aussteiger“ leben hier unter relativ einfachen Bedingungen. Das ist es was die Menschen hier suchen und offenbar finden.

Zurück mit der BC Ferry durch die Inside Passage nach Vancouver Island. Wiederum Wale und andere Tiere die uns begleiten.

In den Lower 48 wie die Alaskaner den Rest der USA nennen geht es weiter durch die Nationalparks, State Parks und National Monuments der Westküste und des Westens. Crater Lake – Lassen Volcanic – Lassen Peak – Yosemite – Death Valley – Zion – Bryce – Grand Staircase Escalante – Capitol Reef – Glenn Canyon – Arches – Canyonlands – Dead Horsepoint – Monument Valley – Lake Mead – Valley of Fire – Death Valley – Saline Valley. Eine irrsinnige Liste und dennoch bleibt einiges ungesehen … und offen für die nächste Tour !

Dann ist es Zeit das „echte Abenteuer“ zu beginnen. Das Reisen in den USA und Kanada ist einfach. Problem gibt es weder bei der Versorgung noch sonstiger Art. In den Gegenden die ich besuche gibt es keine Kriminalität zu befürchten. Die Leute sind offen und freundlich uns sehr interessiert am Fahrzeug, am Wohnwagen und an der Reise – Woher, wohin , warum , wieso … es ergibt sich täglich ein Gespräch. Reisen mit Wohnmobil, Wohnwagen und ähnlichem ist hier normal. Viele amerikanische Rentner kaufen ein RV = Recreational Vehicle und leben darin. Alles andere wird verkauft. Diese Fahrzeuge haben dann allerdings wenig mit dem zu tun was wir so kennen. Üblicherweise wird das auf einem Reisebus aufgebaut der von der Waschmaschine über Doppelbett und Wohnzimmersofa sowie Mikrowelle und Küche mit Gefrierschrank alles enthält was zum Leben so benötigt wird. Vollbad mit Dusche ist selbstverständlich und eine oder 2 Klimaanlagen ohne Diskussion vorhanden . Um das zu betreiben benötigt man in der Regel „full hookup“ d.h. Strom- , Wasser- und Abwasseranschluß auf dem jeweiligen Stellplatz. Da diese Busse unhandlich sind zieht man gerne einen PKW oder Jeep hinterher um vor Ort beweglich zu sein. Alternativ gerne auch ein Motorboot, je nach Priorität. Darunter gibt es alles mögliche , vom sog. 5th-wheel (eine Art Auflieger für den Pick-up Truck), über Wohnwagen und Pick-up Camper. Sehr beliebt scheint auch der Mercedes – Sprinter hier zu sein der als Wohnmobil. Basis häufig zu sehen ist.

Damit kommen wir zum Material. Mercedes bringt gerade das neue G-Modell mit großem Pomp heraus. Unter dem Motto „stronger than time“ wird das auf allen Kanälen verbreitet. Stronger than time ist das Auto allerdings nur wenn man viel Liebe und viel Geld (außer dem Kaufpreis) vielleicht auch mehr Geld als Liebe bereit ist zu investieren . Das Auto hat sich generell dennoch sehr bewährt . Ich konnte überall hin kommen wo ich hin wollte. Es hat mich auch nie echt im Stich gelassen. Das geht einem schon mal durch den Kopf wenn man im Death Valley abseits der Straße und ohne Handyempfang über Stunden unterwegs ist. Üblicher Service wird vom Fahrzeug alle 10.000 km ! angefordert was absolut irrsinnig ist. Mt meinen „Mercedes Verstehern“ habe ich daher besprochen alle 20.000 km müßte ausreichen. Somit war bereits 2x Service hier fällig. Soweit kein Problem. Das konnte in Calgary und Las Vergas gut durchgeführt werden . Problematisch wird es wenn unvorhergesehene Probleme auftreten: zB das aufleuchten der Luftfilter Kontrolle-Leuchte das mich jetzt seit etwa 30.000 km intermittierend begleitet. Der Austausch des Filters und das 2-malige zurücksetzen im System (kostet natürlich jedes Mal Geld) konnten dies nicht verhindern. „Wir“ vermuten jetzt einen Sensordefekt oder Wackelkontakt. Zu viel Elektronik ist in dieser Art Auto absolut Fehl am Platz ! Weiterhin war ich gezwungen das Fahrzeug zwischenzeitlich für 3 Monate abzustellen. Danach war die Starterbatterie platt was eigentlich bei einer zu Beginn der Tour erneuerten Batterie (Original MB) nicht passieren sollte. Danach gab es ein Problem beim Startvorgang daß , wie sich dann herausstellt auf einen Defekt des Motor-Steuergerätes zurückzuführen war. Dabei war das nicht, wie ursprünglich vermutet ein Problem mit der Programmierung, sondern ein Totalausfall des Steuergerätes – Wert 1500 Euro. Glücklicherweise konnte ich mit Hilfe meiner „Versteher“ (siehe auch unter Freunde) ein gebrauchtes Teil aus Deutschland einfliegen. Neben den Kosten für das Teil, den Einbau etc. und den Verlust von 2 Wochen Reisezeit ein insgesamt teurer Spaß der nicht eingeplant war. Aber wie sagte der freundliche Meister bei Mercedes-Benz Frankfurt/Offenbach am Kaiserlei: „Es war schon immer etwas teuerer Geländewagen zu fahren“ – nach herzlichen Dank für den Rat ! Ich habe jetzt eine andere MB Werkstatt !!! On ein „stronger than time“ Steuergerät länger halten muß als 120.000 km oder 8 Jahre ? Ich denke mal schon !

Nach dem Einbau des neuen Steuergerätes bleibt ein „stotternder“ Anlaßvorgang bestehen. Niemand weiß woran es liegt. Die MB Versteher aus Deutschland am Telefon und die Mechaniker in Portland vor Ort, ich dazwischen mit hin und her übersetzen. Problem ist daß die Mechaniker hier KEINE Information über die VIN (Fahrgestellnummer) bei MB abrufen können da das Fahrzeug auf dem hiesigen Markt nicht angeboten wird. Das bedeutet keine Schaltpläne, kein Werkstatthandbücher absolut nichts ! Das macht die Diagnose schwierig ! Es zeigt sich daß beim Anlassen kein ausreichender Druck aufgebaut wird. Ursache unbekannt. Auto muß weiter in der „Klinik“ bleiben. Stundenlohn für Diagnose 150 US$ ! Die Jungs sind zumindest nett und sehr bemüht. Eine E-Klasse Limo bringt einen kostenlos nach Hause und holt einen auch wieder ab. Da kann Frankfurt noch was lernen. Es kommt heraus daß die Diesel mit normalem Benzin verunreinigt sei – wie bitte ??? Dazu gibt es extra Kapitel, daher will ich das nicht weiter ausführen. Angeblich verfügt das Auto über einen „Vielstoffmotor“ und könnte sogar mit Kerosin fahren. Das macht generell. Sinn bei einem Fahrzeug das für das Militär und weltweiten Einsatz konzipiert ist.

Nachdem der Kraftstofffiter gewechselt wurde und alles soweit möglich gereinigt läuft es bis heute wieder ohne Problem, mal abgesehen von der Luftfilter Leuchte…!

Das „echte Abenteuer“ beginnt also mit dem Grenzübertritt nach Mexiko. Formalitäten mit gebrochenem Spanisch (Mist – habe alles vergessen was Claudia mir mühevoll beigebracht hat). Das klappt am Ende alles ohne große Probleme und auch im Weiteren treten erst mal keine auf. Die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen Gebrauchsgütern ist hier , wie ich finde, weniger einfach und qualitativ weniger gut und reichhaltig wie gewohnt . Da ist schon ein Unterschied. Natürlich auch kulturell und vom allgemeinen Lebensstandard keinerlei Vergleich. Müll im Gelände egal wo ist ein augenfälliger Unterschied und ein echtes Problem. Dafür ist das Preisniveau für alles hier wesentlich niedrige als bisher gewohnt. Baja California bietet zudem Wüstenszenario und fahren durch Kakteenwälder kombiniert mit Camping am Strand – herrlich !

Das Material leidet offenbar doch unter den Ausflügen ins Gelände und den jetzt hier wirklich teilweise miesen Straßen. Vergleiche dazu auch „shit happens“. Es ist nur der herausragenden Handwerksleistung der Mexikaner zu verdanken daß dies nicht in einem größeren Problem mündete. Das Ersatzteil hat Petra glücklicherweise kurzfristig aus Deutschland mitgebracht. Die Kugelkopf Kupplung vom Wohnwagen ist ebenfalls „verschlissen“ und muß getauscht werden. Glücklicherweise kommt mein Vater dieser Tage „zu Besuch“ und kann das Teil mitbringen. Mit UPS oder so ist das erheblich schwieriger aber auch machbar. Dies konnte bereits beim Versand einer Blattfeder für den Trailer getestet werden die nach Dallas versendet dann in Canada eingebaut wurde.

Der Trailer macht überwiegend große Freude auch wenn das Parken und rangieren bisweilen, gerade hier in Mexiko und vermutlich auch im weiteren etwas schwierig sein kann. Wie immer würde man bestimmte Dinge jetzt anderes gestalten. Insbesondere das Aufstelldach „Heki 4“ von Dometic ist keinen Pfifferling wert. Stehhöhe wäre doch noch ein schöner Luxus. Ansonsten ist das Reisen so sehr komfortabel. Es gibt hinsichtlich der Ziele keine Einschränkungen bisher und das man den Trailer abhängen kann und nur mit dem Auto auf Tour oder zum Einkaufen gehen kann habe ich sehr schätzen gelernt. Der Trailer erregt immer wieder Aufsehen und ich hätte vermutlich schon mehrere davon verkaufen können (allerdings nur mit Klimanalage 😉 …)

Es steht jetzt nach einer sonnigen Woche am karibischen Strand von Isla Mujeres die kulturelle Rundreise zu den Maya an bevor es weiter geht nach Belize – Guatemala – Honduras – Nicaragua – Costa Rica.

Dann steht die nächste größere Entscheidung an: wie soll man die Darien Gap überbrücken ?

Insgesamt fällt die Zwischenbilanz positiv aus. Es ist ein Privileg dies machen und erleben zu können. Auch wenn die Zeit irgendwie limitiert ist habe ich in knapp einem halben Jahr sehr viel gesehen und erlebt. Die Probleme entlang der Route waren überschaubar. Ich habe viele und ausschließlich freundliche , hilfsbereit , nette Menschen getroffen und vor allem hier keinerlei Probleme erleben müssen. Dies ist denke ich sehr bemerkenswert in der heutigen Zeit !

Ein Gedanke zu „40.000 km …“

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